Wann genau ist eigentlich aus der jungen Nelly Furtado, die einst so juvenil-unbeschwert "I'm Like A Bird" sang, eine ernstzunehmende Popdiva geworden? Die gängige Medienmeinung sieht diesen Wendepunkt in ihrem dritten und noch aktuellen Album "Loose", das sie gemeinsam mit Starproduzent Timbaland anging. Weltweit zehn Millionen mal verkaufte es sich. Schon auf der ersten Single "Maneater" hatte die Kanadierin eine hör- und sichtbare Kurskorrektur vorgenommen. Verschwunden waren die folkloristischen Einflüsse der portugiesischstämmigen Künstlerin - stattdessen hörte man ein brandaktuelles Gebräu aus Pop, R'n'B und HipHop-Beats. Auch war aus der frechen, stets bunt gekleideten Sängerin eine selbstbewusste Frau geworden, die sich nicht nur sexy inszenierte, sondern vermeintlichen Stelzböcken gleich mit den passenden Lyrics konterte: "Maneater, make you work hard / Make you spend hard / Make you want all, of her love / She's a maneater." Furtado selbst nannte das einmal "intelligent Sexiness".
Diese Veränderung, die weniger als Imagewechsel denn als Reifeprozess zu werten ist, wird auch auf der neuen DVD "Loose - The Concert" sichtbar. Schon die Bühne ist ein glamouröses Konstrukt: Wie gigantische Stufen sind die drei Bühnenetagen angeordnet, verbunden durch eine Showtreppe, die in der Mitte auf ein weißes Standmikrofon zuläuft. Gleich als Nelly Furtado dort in einem glitzernden Kleid mit "Afraid" die Show eröffnet, reißt sie das Publikum von den Sitzen. Toronto hängt ihr vom ersten bis zum letzten Song ("Maneater") an den Lippen. Langweilig wird es in dem 18-Songs-langen Set nicht eine Minute, was einerseits ihrer Bühnenpräsenz, andererseits der opulenten Inszenierung der einzelnen Stücke zu verdanken ist. Neben der stimmigen Lichtshow und diversen auf Leinwänden ausgespielten Videoclips wird ihre Band von bis zu vier Tänzern begleitet, die Ballet-inspirierte Performances genauso beherrschen wie erotisierendes Booty-shaking. "Ich glaube, die Show ist zugleich sinnlich und sophisticated und auf angenehme Weise sexy", so Furtado.
Die in Toronto ansässige Tageszeitung Times Colonist schrieb nach diesem Konzert ehrfürchtig: "Furtado war an diesem Mittwoch unaufhaltsam und hochexplosiv. Sie tanzte, stolzierte und sang jede einzelne Sekunde ihres 18-Song-Sets, das in einem visuellen und soundgewaltigen Höhepunkt kulminierte. Davor kann man nur den Hut ziehen - vor allem, weil sie aussah, als hätte sie noch eine Stunde so weitermachen können." Wer meint, diese Lobeshymne klänge übertrieben, kann sich mit dieser DVD vom Gegenteil überzeugen lassen.